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Bahnhof Magdeburg Südost

Der Bahnhof Magdeburg Südost ist ein an der Grenze zu Salbke gelegener Bahnhof an der Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig im Magdeburger Stadtteil Westerhüsen in der Welsleber Straße. Das eigentliche Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz und wird heute selbst nicht mehr für Eisenbahnzwecke genutzt. 

Friedrich Wilhelm III. genehmigte am 14. Februar 1836 den Bau der Bahnstrecke und am 13. November 1837 den konkreten Bauplan dazu. Westerhüsen, wie auch Salbke gehörten zum 2. Bauabschnitt (Buckau-Schönebeck/Elbe) der zwölf Abschnitte zählenden Strecke. Baubeginn in Westerhüsen war am 24. April 1838. Zum Bautrupp gehörten 1 Ingenieur, 3 Aufseher sowie 150 bis 320 Tiefbauarbeiter. Schon Ende August 1838 konnten die Eisenbahnbrücke an der Sohlener Straße, sowie der Bahnübergang am alten Westerhüsener Friedhof weitgehend fertig gestellt werden. Die Eisenbahnbrücke war damals noch eine aus Holz gefertigte Konstruktion. Die Eigentümer der Grundstücke, über die die Bahntrasse führte, wurden entschädigt. Überliefert ist, dass der Windmüller Grabau 600 Taler bekam, da die Eisenbahnstrecke den Zufahrtsweg zu seiner Windmühle durchschnitt.

Der erste Zug befuhr den Abschnitt am 29. Juni 1839. Dieser besaß 13 Waggons und wurde von einer Lokomotive "Adler" gezogen. Die Fahrt begann um 8.15 Uhr am Magdeburger Fürstenufer. Schon nach 25 Minuten soll der Zug im Zielbahnhof Schönebeck angekommen sein. Um 10.30 Uhr begann die Rückfahrt. Am Sonntag den 30. Juni 1839 wurde die Strecke dann offiziell für den planmäßigen Bahnverkehr freigegeben. Je drei Fahrten vormittags sowie nachmittags fanden in der Folge statt. Als Lokomotiven kamen Loks des Typs "Adler" und "Jungfer" zum Einsatz. Insgesamt konnten täglich 2190 Fahrgäste transportiert werden. Es soll schon damals einen Haltepunkt in Westerhüsen/Salbke gegeben haben.

Eine erste befestigte Haltestelle wurde erst nach der Fertigstellung der Bahnstrecke Magdeburg–Halle/Leipzig bis spätestens 1840 errichtet. Diese befand sich zwischen den Dörfern Westerhüsen und Salbke, an der Stelle an der der Fahrweg von Beyendorf und Sohlen auf die Hauptstraße nach Magdeburg und die an dieser Stelle befindliche Poststation traf. Dieses als Bretterbude beschriebene Gebäude befand sich östlich der Bahnstrecke. 

1850 wurde dann ein erstes massives Stationshaus nördlich der heutigen Welsleber Straße auf Salbker Gemarkung errichtet. Dieses Gebäude ist heute nicht mehr erhalten. Es befand sich westlich der Eisenbahnstrecke. 1868 entstand südlich der Straße und somit auf Westerhüser Gemarkung ein Empfangsgebäude. 1884 kam ein Güterschuppen hinzu.

1894 kamen zwei weitere Gleise hinzu, aufgrund dessen auch die Brücke an der Sohlener Straße verlängert werden musste. Wegen des größeren Bedarfs an Flächen, musste das alte Gebäude weichen. Das heutige Cafe Kies stellt eine Kopie des alten Bahnhofgebäudes dar. Es wurden originale Bauteilen des alten Bahnhofs für den Bau des Cafe's verwendet. Die Trassenführung der Bahn wurde nun erheblich erhöht, so dass die heute noch bestehende Unterführung unter dem Bahnkörper in der Welsleber Straße erforderlich wurde und die Welsleber Straße nach Norden verlegt wurde.

Das in der Welsleber Straße heute befindliche Gebäude des Bahnhofs Südost wurde 1894 bzw. 1895 gebaut. Es ist weitgehend in seiner originalen Gestaltung erhalten geblieben. Das Bahnhofsgebäude ist ein eineinhalbgeschossiges, mit Klinkern versehener Typenbau der Preußischen Staatseisenbahnen, wie er damals für Empfangsgebäude von Bahnhöfen untergeordneter Stationen obligatorisch war. Im Stadtgebiet von Magdeburg ist das Bahnhofsgebäude Südost, neben dem Bahnhof Magdeburg-Neustadt, dass einzig erhalten gebliebene Bahnhofsgebäude aus der Zeit der preußischen Staatsbahn. Die Fassade des Hauses ist aufwendig gegliedert. Sowohl segmentbogige als auch spitzbogige Fensteröffnungen wurden verwendet. Die Giebel weisen hölzerne Verzierungen auf. Das Gebäude selbst besitzt ein markant überstehendes Satteldach.  An der Westseite befindet sich ein Mittelrisalit. An den nördlichen und südlichen Giebelseiten befinden sich kleinere Anbauten, welche als Windfang bzw. Toilettentrakt dienten.

Aus der Lage des Bahnhofs in der Nähe der Gemarkungsgrenze zwischen Salbke und Westerhüsen ergaben sich Streitigkeiten zwischen den beiden bis 1910 noch selbständigen Gemeinden über die Benennung des Bahnhofs. Nachdem er zunächst bis 1909 als Bahnhof Westerhüsen geführt wurde, ergab sich dann bis 1913 die Bezeichnung Westerhüsen-Salbke bzw. Salbke-Westerhüsen. Den Namen Bahnhof Magdeburg Südost trägt er vermutlich seit 1914. 1934 wurde die Strecke elektrifiziert und die Kurven der Gleisanlagen in Westerhüsen abgeflacht. Des Weiteren wurde die Holzbrücke an der Sohlener Straße durch eine Betonbrücke ersetzt.

Seit der am 29. September 1974 erfolgten Eröffnung der S-Bahn Magdeburg, ist der Bahnhof eine S-Bahn-Station. Über längere Zeit befand sich auf dem Gebäude ein Storchennest. Auch heute noch ist der Bahnhof in Betrieb, das Empfangsgebäude jedoch wurde mehrfach umgenutzt. In den 1990er befand sich ein Lokal namens "Klapperstorch" in den Räumlichkeiten. Nach längerem Leerstand wird das Gebäude nun für Wohnzwecke und als Werkstatt des Stahlbildhauers Joachim Röderer genutzt. Vor dem Bahnhofsgebäude befindet sich eine historische Wasserpumpe (Eulenspiegelpumpe) die zeitweise sogar als Kleindenkmal geführt wurde. Die Nutzung des Güterbahnhofs wurde eingestellt. Die nach Osten in Richtung des ehemaligen Chemiewerks Fahlberg-List führenden Gleise sind überwuchert und mit Bäumen bewachsen.

Anekdote

Vom Tag der ersten Zugfahrt ist die Geschichte eines alten Westerhüser Bauern überliefert. Mit den Worten „Ick gah na de Isebahne will mich de Sache doch ok mal ankieken“ begab er sich zum Bahnstation Westerhüsen, die es danach tatsächlich schon am ersten Tag gab. Um den erwarteten Zug zu betrachten stellte er sich mitten auf die Schiene, worauf ihn ein Beamter aufforderte die Schienen zu verlassen. Der alte Westerhüsener antwortete: „Nu, ick wehre mick dat doch hier ankieken können.“ und blieb auf den Gleisen stehen. Der Beamte entfernte ihn daher gewaltsam von der Strecke. Kurz darauf kam der Zug. 

Daraufhin entfernte sich der Bauer kopfschüttelnd. Für den Vorfall erhielt er später ein Strafmandat über acht Tage Haft oder drei Taler Strafe, welches er ruhig hinnahm. Eines Morgens legte er seinen Sonntagsanzug an und sagte zu seiner Frau: „Kannst mick mal ne Stulle schmieden, de will ick mick in dat Daug wickeln.“ „Vadder, wo willst du denn hehn?“ Er: „Nu, ick dächte dat wör wool nu an de Tid, datt ick datt afsitten möt“. Seine Frau war entsetzt: „Vadder datt warst du doch nich dauhn. Ick heff doch de 3 Daler schon lange betahlt.“ „Watt, jie infamichte Ware, schmieten mich 3 Daler taun Fenster ruht, unn ick hew doch soveel Tid, dat ick datt afsitten kann.